APACHE II Rechner

    Mortalitätsrisiko auf Intensivstation

    📚 Quelle: Knaus WA, et al. Crit Care Med. 1985;13(10):818-829

    Wichtiger Hinweis – Kein Medizinprodukt

    • Diese Anwendung richtet sich ausschließlich an medizinisches Fachpersonal (Ärzt:innen, Pflegekräfte, Medizinstudierende) und dient nur als Nachschlagewerk und Dokumentationshilfe.
    • Die App ersetzt keine ärztliche Beurteilung, Diagnose oder Therapieentscheidung. Konsultieren Sie stets eine qualifizierte Ärztin / einen qualifizierten Arzt, bevor Sie medizinische Entscheidungen treffen.
    • Die Inhalte fassen publizierte Leitlinien zusammen und stellen keine eigenständige Handlungsvorgabe dar.
    • Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Die App ist nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung geeignet.
    • Dieses Produkt ist kein zugelassenes Medizinprodukt und darf nicht als Grundlage für klinische Entscheidungen verwendet werden.

    Über den APACHE II

    Der APACHE II Score (Acute Physiology and Chronic Health Evaluation II) ist ein etabliertes Instrument zur Prognoseabschätzung auf der Intensivstation. Er wird innerhalb der ersten 24 Stunden nach Aufnahme erhoben.

    Drei Komponenten fließen ein: Acute Physiology Score (12 physiologische Parameter), Age Points und Chronic Health Points. Der Gesamtscore reicht von 0-71 Punkten.

    Ein APACHE II von 0-4 entspricht etwa 4% Mortalitätsrisiko, 5-9 etwa 8%, 10-14 etwa 15%, 15-19 etwa 25%, 20-24 etwa 40%, 25-29 etwa 55% und ≥30 über 75%. Der Score dient primär der Qualitätssicherung und Studienstratifikation, nicht der individuellen Therapieentscheidung.

    Ausführliche Erklärung: APACHE II

    Was ist der APACHE II Score?

    Der APACHE II Score (Acute Physiology And Chronic Health Evaluation II) wurde 1985 von Knaus et al. publiziert und bleibt einer der weltweit am häufigsten verwendeten Scores zur Beurteilung der Erkrankungsschwere auf Intensivstationen. Er kombiniert akute physiologische Entgleisungen mit Alter und chronischen Vorerkrankungen zu einem Gesamtwert, der die Krankenhausmortalität prognostiziert. Obwohl neuere Versionen (APACHE III, IV) existieren, ist APACHE II in der klinischen Praxis und Forschung weiterhin der Standard.

    Berechnung: Drei Komponenten

    Acute Physiology Score (0–60 Punkte): Die schlechtesten Werte von 12 physiologischen Parametern innerhalb der ersten 24 ICU-Stunden: Temperatur, MAP, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Oxygenierung (PaO₂ oder A-a-Gradient), arterieller pH, Serumnatrium, Serumkalium, Serumkreatinin, Hämatokrit, Leukozyten und GCS. Alterspunkte (0–6): Abstufung nach Dekaden ab 45 Jahre. Chronische Gesundheitspunkte (0–5): Schwere Organdysfunktion oder Immunsuppression vor Aufnahme, gewichtet nach elektiver vs. Notfallaufnahme.

    Mortalitätsprognose

    APACHE II 0–9: Mortalität ca. 4–8%. APACHE II 10–14: ca. 12–15%. APACHE II 15–19: ca. 20–25%. APACHE II 20–24: ca. 35–40%. APACHE II 25–29: ca. 50–55%. APACHE II 30–34: ca. 70–75%. APACHE II ≥35: >80%. Diese Werte sind Durchschnittswerte über alle Diagnosen. Für spezifische Erkrankungen (z. B. Pankreatitis, ARDS) existieren eigene Mortalitätskurven. Ein APACHE II >25 bei einem jungen Patienten ohne Komorbiditäten kann ein besseres Outcome haben als der Score suggeriert.

    Klinisches Fallbeispiel

    Ein 62-jähriger Patient wird nach perforiertem Ulkus notfallmäßig operiert und auf die ICU verlegt. Schlechteste Werte in 24h: Temperatur 38,9°C (1), MAP 55 mmHg (2), HF 125/min (2), AF 32/min (1), PaO₂ 65 mmHg bei FiO₂ 0,5 (1), pH 7,28 (2), Na 148 (1), K 5,8 (1), Kreatinin 2,4 (2), Hk 32% (0), Leukozyten 18.500 (0), GCS 13 (2). APS = 15. Alter 62 → 3 Punkte. Notfall-OP ohne schwere Vorerkrankung → 0 Punkte. APACHE II = 18. Geschätzte Mortalität: ca. 22%.

    Limitationen

    Der APACHE II nutzt nur die schlechtesten Werte der ersten 24 Stunden – Therapieeffekte innerhalb dieser Zeit werden nicht abgebildet. Frühzeitig intubierte Patienten haben einen artifziell niedrigeren APS (kontrollierte Beatmung normalisiert Oxygenierung). Die GCS-Komponente ist bei sedierten Patienten nicht zuverlässig erhebbar. Der Score wurde 1985 validiert – Veränderungen in der ICU-Medizin (z. B. lungenprotektive Beatmung, Sepsis-Bundles) sind nicht abgebildet. Für Benchmarking wird zunehmend der APACHE IV oder SAPS 3 bevorzugt.

    Quellenangaben – APACHE II

    Wissenschaftliche Originalquelle

    • Knaus WA, Draper EA, Wagner DP, Zimmerman JE. APACHE II: a severity of disease classification system. Crit Care Med. 1985;13(10):818-829.

    Letzte fachliche Prüfung: August 2026 · Basierend auf offiziellen Leitlinien führender Fachgesellschaften

    Die hier dargestellten Inhalte basieren auf den oben genannten wissenschaftlichen Publikationen und Leitlinien. Sie dienen ausschließlich zu Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzen keine ärztliche Beurteilung.

    Häufige Fragen zum APACHE II

    Wofür wird der APACHE II verwendet?

    Der APACHE II wird klinisch für intensivmedizinische prognose verwendet. Er ist ein evidenzbasiertes Bewertungsinstrument, das Ärzten bei der Risikostratifizierung und Therapieentscheidung hilft.

    Wie interpretiert man den APACHE II?

    Der APACHE II Score (Acute Physiology And Chronic Health Evaluation) ist ein Klassifikationssystem zur Beurteilung der Erkrankungsschwere auf der Intensivstation. Er kombiniert den Acute Physiology Score (12 physiologische Parameter aus den ersten 24h), Altersfaktoren und chronische Gesundheitspunkte. Der Score reicht von 0-71 und korreliert mit der Krankenhausmortalität. APACHE II unter 10 entspricht etwa 10% Mortalität, 10-20 etwa 15-25%, 20-30 etwa 40-55%, über 30 über 75%.

    Welche Limitationen hat der APACHE II?

    Der APACHE II ist ein unterstützendes Werkzeug und ersetzt nicht die individuelle klinische Beurteilung. Die Validierung kann für bestimmte Patientengruppen eingeschränkt sein. Es sollten stets alle relevanten klinischen Informationen in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Bei Unsicherheiten ist eine fachärztliche Konsultation empfohlen.

    Version 1.0Letzte Aktualisierung: Dezember 2025. Grundlage: Knaus et al. Crit Care Med 1985

    Zuletzt aktualisiert: Dezember 2025
    Quellen: Knaus WA, et al. Crit Care Med. 1985;13(10):818-829
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