Child-Pugh-Score Rechner

    Leberzirrhose-Schweregrad

    📚 Quelle: Pugh RN, et al. Br J Surg. 1973;60(8):646-649

    Wichtiger Hinweis – Kein Medizinprodukt

    • Diese Anwendung richtet sich ausschließlich an medizinisches Fachpersonal (Ärzt:innen, Pflegekräfte, Medizinstudierende) und dient nur als Nachschlagewerk und Dokumentationshilfe.
    • Die App ersetzt keine ärztliche Beurteilung, Diagnose oder Therapieentscheidung. Konsultieren Sie stets eine qualifizierte Ärztin / einen qualifizierten Arzt, bevor Sie medizinische Entscheidungen treffen.
    • Die Inhalte fassen publizierte Leitlinien zusammen und stellen keine eigenständige Handlungsvorgabe dar.
    • Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Die App ist nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung geeignet.
    • Dieses Produkt ist kein zugelassenes Medizinprodukt und darf nicht als Grundlage für klinische Entscheidungen verwendet werden.

    Über den Child-Pugh-Score

    Der Child-Pugh-Score ist ein klassisches Instrument zur Klassifikation des Schweregrads einer Leberzirrhose. Er ermöglicht eine prognostische Einschätzung und ist relevant für therapeutische Entscheidungen sowie die OP-Fähigkeit.

    Fünf Parameter werden bewertet: Bilirubin, Albumin, INR (Quick), Aszites und hepatische Enzephalopathie. Jeder Parameter erhält 1-3 Punkte, was einen Gesamtscore von 5-15 ergibt.

    Child-Pugh A (5-6 Punkte) entspricht einer kompensierten Zirrhose mit guter Prognose (1-Jahres-Überleben ~100%). Child B (7-9 Punkte) zeigt eine signifikante Funktionseinschränkung (85% 1-Jahres-Überleben). Child C (10-15 Punkte) bedeutet eine dekompensierte Zirrhose mit eingeschränkter Prognose (35% 1-Jahres-Überleben).

    Ausführliche Erklärung: Child-Pugh-Score

    Was ist der Child-Pugh-Score?

    Der Child-Pugh-Score (auch Child-Turcotte-Pugh, CTP) wurde 1964 von Child und Turcotte zur Einschätzung der perioperativen Mortalität bei Leberzirrhose eingeführt und 1973 von Pugh modifiziert. Er klassifiziert die Leberzirrhose in drei Schweregrade (A, B, C) und ist bis heute das Standardinstrument für prognostische Aussagen, Medikamentendosierung und chirurgische Risikoeinschätzung. Im Gegensatz zum MELD-Score enthält er subjektive Komponenten (Aszites, Enzephalopathie), bietet aber eine intuitivere klinische Einteilung.

    Die fünf Parameter

    Jeder Parameter wird mit 1–3 Punkten bewertet: Bilirubin: <2 mg/dL (1), 2–3 (2), >3 (3). Albumin: >3,5 g/dL (1), 2,8–3,5 (2), <2,8 (3). INR: <1,7 (1), 1,7–2,3 (2), >2,3 (3). Aszites: kein (1), leicht/kontrollierbar (2), therapierefraktär (3). Hepatische Enzephalopathie: keine (1), Grad I–II (2), Grad III–IV (3). Der Gesamtscore reicht von 5–15 Punkten.

    Interpretation und klinische Konsequenz

    Child A (5–6 Punkte): Kompensierte Zirrhose. 1-Jahres-Überleben ~100%, 2-Jahres-Überleben ~85%. Elektive Operationen in der Regel möglich. Child B (7–9 Punkte): Signifikante Funktionseinschränkung. 1-JÜ ~80%, perioperative Mortalität ca. 10–15%. Operationen nur bei strenger Indikation. Child C (10–15 Punkte): Dekompensierte Zirrhose. 1-JÜ ~45%, perioperative Mortalität ca. 25–80%. Operative Eingriffe kontraindiziert, Transplantationsevaluation einleiten.

    Fallbeispiel

    Eine 61-jährige Patientin mit NASH-Zirrhose wird zur elektiven Cholezystektomie vorgestellt. Labor: Bilirubin 2,5 mg/dL (2), Albumin 3,1 g/dL (2), INR 1,5 (1). Klinisch: geringer Aszites unter Diuretika (2), keine Enzephalopathie (1). Child-Pugh-Score = 8 (Child B). Konsequenz: Perioperatives Risiko erhöht (ca. 10–15% Mortalität). Abwägung: Ist die Cholezystektomie dringend indiziert? Konservatives Management bevorzugen, bei Notfall-OP intensivmedizinische Nachbetreuung planen.

    Child-Pugh vs. MELD

    Der Child-Pugh-Score bietet eine einfache Dreistufenklassifikation, hat aber subjektive Komponenten (Aszites, Enzephalopathie) mit relevanter Inter-Observer-Variabilität. Der MELD-Score ist rein objektiv (nur Laborwerte) und als kontinuierliche Variable besser für die Organallokation geeignet. Für die chirurgische Risikoeinschätzung und Medikamentendosierung wird der Child-Pugh weiterhin bevorzugt – zahlreiche Fachinformationen verwenden die Child-Pugh-Klasse für Dosisanpassungsempfehlungen. Beide Scores sollten komplementär eingesetzt werden.

    Quellenangaben – Child-Pugh-Score

    Wissenschaftliche Originalquelle

    • Pugh RN, Murray-Lyon IM, Dawson JL, et al. Transection of the oesophagus for bleeding oesophageal varices. Br J Surg. 1973;60(8):646-649.

    Aktuelle Leitlinie

    Letzte fachliche Prüfung: August 2026 · Basierend auf offiziellen Leitlinien führender Fachgesellschaften

    Die hier dargestellten Inhalte basieren auf den oben genannten wissenschaftlichen Publikationen und Leitlinien. Sie dienen ausschließlich zu Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzen keine ärztliche Beurteilung.

    Häufige Fragen zum Child-Pugh-Score

    Wofür wird der Child-Pugh-Score verwendet?

    Der Child-Pugh-Score wird klinisch für leberzirrhose verwendet. Er ist ein evidenzbasiertes Bewertungsinstrument, das Ärzten bei der Risikostratifizierung und Therapieentscheidung hilft.

    Wie interpretiert man den Child-Pugh-Score?

    Der Child-Pugh-Score klassifiziert den Schweregrad einer Leberzirrhose und ermöglicht prognostische Aussagen sowie Einschätzungen zur OP-Fähigkeit. Fünf Parameter werden bewertet: Bilirubin, Albumin, INR (bzw. Quick), Aszites und hepatische Enzephalopathie. Jeder Parameter erhält 1-3 Punkte.

    Welche Limitationen hat der Child-Pugh-Score?

    Der Child-Pugh-Score ist ein unterstützendes Werkzeug und ersetzt nicht die individuelle klinische Beurteilung. Die Validierung kann für bestimmte Patientengruppen eingeschränkt sein. Es sollten stets alle relevanten klinischen Informationen in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Bei Unsicherheiten ist eine fachärztliche Konsultation empfohlen.

    Version 1.0Letzte Aktualisierung: Dezember 2025. Grundlage: EASL Cirrhosis Guidelines

    Zuletzt aktualisiert: Dezember 2025
    Quellen: Pugh RN, et al. Br J Surg. 1973;60(8):646-649
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