Wells-Score DVT Rechner

    Wahrscheinlichkeit für tiefe Venenthrombose

    📚 Quelle: Wells PS, et al. N Engl J Med. 2003;349(13):1227-1235

    Wichtiger Hinweis – Kein Medizinprodukt

    • Diese Anwendung richtet sich ausschließlich an medizinisches Fachpersonal (Ärzt:innen, Pflegekräfte, Medizinstudierende) und dient nur als Nachschlagewerk und Dokumentationshilfe.
    • Die App ersetzt keine ärztliche Beurteilung, Diagnose oder Therapieentscheidung. Konsultieren Sie stets eine qualifizierte Ärztin / einen qualifizierten Arzt, bevor Sie medizinische Entscheidungen treffen.
    • Die Inhalte fassen publizierte Leitlinien zusammen und stellen keine eigenständige Handlungsvorgabe dar.
    • Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Die App ist nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung geeignet.
    • Dieses Produkt ist kein zugelassenes Medizinprodukt und darf nicht als Grundlage für klinische Entscheidungen verwendet werden.

    Über den Wells-Score DVT

    Der Wells-Score für tiefe Venenthrombose (TVT) ermöglicht eine strukturierte Einschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit vor bildgebender Diagnostik. Er ist Teil etablierter Diagnosealgorithmen.

    Neun klinische Kriterien werden erfasst, darunter: aktive Krebserkrankung, Bettlägerigkeit, lokalisierte Druckschmerzhaftigkeit, Beinschwellung, Wadenumfangsdifferenz, eindrückbares Ödem, Kollateralvenen und alternative Diagnose wahrscheinlicher. Die Punkte reichen von -2 bis +9.

    Bei Wells-Score ≤1 ist die TVT-Wahrscheinlichkeit gering (<5%), ein negatives D-Dimer schließt eine TVT praktisch aus. Bei Score ≥2 liegt eine erhöhte Wahrscheinlichkeit vor, und eine Bildgebung (Kompressions-Ultraschall) ist unabhängig vom D-Dimer indiziert.

    Ausführliche Erklärung: Wells-Score DVT

    Was ist der Wells-Score für TVT?

    Der Wells-Score für tiefe Venenthrombose (TVT) ist ein klinisches Instrument zur strukturierten Einschätzung der Vortestwahrscheinlichkeit einer Beinvenenthrombose. Er wurde 1997 von Philip Wells entwickelt und ist in den AWMF- und NICE-Leitlinien als erster Schritt im diagnostischen Algorithmus empfohlen. Der Score entscheidet, ob ein D-Dimer-Test ausreicht oder eine sofortige Duplexsonographie notwendig ist.

    Die neun Kriterien

    Aktive Krebserkrankung (Therapie ≤6 Monate oder palliativ): +1. Lähmung oder Gipsimmobilisation der Beine: +1. Bettruhe >3 Tage oder große OP ≤12 Wochen: +1. Druckschmerz entlang der tiefen Venen: +1. Schwellung des gesamten Beins: +1. Unterschenkelumfang ≥3 cm größer als kontralateral (10 cm unterhalb Tuberositas tibiae): +1. Eindrückbares Ödem am betroffenen Bein: +1. Kollateralvenen (nicht-variköse oberflächliche Venen): +1. Alternative Diagnose mindestens ebenso wahrscheinlich wie TVT: −2.

    Diagnostischer Algorithmus

    Score ≤0 (niedrig): D-Dimer bestimmen. Bei negativem D-Dimer: TVT ausgeschlossen. Bei positivem D-Dimer: Duplexsonographie. Score 1–2 (intermediär): D-Dimer oder direkte Duplexsonographie. Score ≥3 (hoch): Direkte Duplexsonographie, D-Dimer hat hier einen zu geringen negativen prädiktiven Wert. Bei negativer Sonographie und hoher klinischer Wahrscheinlichkeit: Wiederholung nach 5–7 Tagen oder alternative Bildgebung (MR-Venographie).

    Klinisches Fallbeispiel

    Ein 55-jähriger Patient, 10 Tage nach Knie-TEP, stellt sich mit geschwollenem linkem Unterschenkel vor. Umfangsdifferenz 4 cm, Druckschmerz entlang der V. poplitea, eindrückbares Ödem. Keine Krebserkrankung. Wells-Score: OP ≤12 Wochen (1) + Druckschmerz (1) + gesamtes Bein geschwollen (1) + Umfangsdifferenz ≥3 cm (1) + eindrückbares Ödem (1) = 5 Punkte. Hohe Wahrscheinlichkeit → direkte Duplexsonographie zeigt frische Thrombose der V. poplitea. Antikoagulation mit NOAK eingeleitet.

    Limitationen

    Der Wells-Score ist nicht validiert bei Schwangeren, nach vorangegangener TVT im gleichen Bein, bei isolierter Beckenvenenthrombose oder bei Armvenenthrombose. Das Kriterium „alternative Diagnose wahrscheinlicher" ist subjektiv und erfahrungsabhängig. Bei ambulanten vs. stationären Patienten unterscheidet sich die Prätestwahrscheinlichkeit erheblich. Die D-Dimer-Sensitivität sinkt mit der Dauer der Symptome – bei Beschwerden >2 Wochen sollte direkt eine Bildgebung erfolgen.

    Quellenangaben – Wells-Score DVT

    Wissenschaftliche Originalquelle

    • Wells PS, Anderson DR, Bormanis J, et al. Value of assessment of pretest probability of deep-vein thrombosis in clinical management. Lancet. 1997;350(9094):1795-1798.

    Aktuelle Leitlinie

    Letzte fachliche Prüfung: August 2026 · Basierend auf offiziellen Leitlinien führender Fachgesellschaften

    Die hier dargestellten Inhalte basieren auf den oben genannten wissenschaftlichen Publikationen und Leitlinien. Sie dienen ausschließlich zu Informations- und Ausbildungszwecken und ersetzen keine ärztliche Beurteilung.

    Häufige Fragen zum Wells-Score DVT

    Wofür wird der Wells-Score DVT verwendet?

    Der Wells-Score DVT wird klinisch für tiefe venenthrombose verwendet. Er ist ein evidenzbasiertes Bewertungsinstrument, das Ärzten bei der Risikostratifizierung und Therapieentscheidung hilft.

    Wie interpretiert man den Wells-Score DVT?

    Der Wells-Score für tiefe Venenthrombose (TVT) ermöglicht die klinische Vortestwahrscheinlichkeits-Einschätzung bei Verdacht auf eine Beinvenenthrombose. Er bewertet neun Kriterien: aktive Krebserkrankung, Parese/Immobilisation, Bettruhe >3 Tage/OP in letzten 4 Wochen, Druckschmerz entlang der tiefen Venen, Schwellung des gesamten Beins, Umfangsdifferenz >3cm, eindrückbares Ödem, Kollateralvenen und alternative Diagnose wahrscheinlicher. Bei Score ≤0 (niedrig) und negativem D-Dimer kann eine TVT ausgeschlossen werden. Mittlere (1-2) und hohe Scores (≥3) erfordern Duplexsonographie.

    Welche Limitationen hat der Wells-Score DVT?

    Der Wells-Score DVT ist ein unterstützendes Werkzeug und ersetzt nicht die individuelle klinische Beurteilung. Die Validierung kann für bestimmte Patientengruppen eingeschränkt sein. Es sollten stets alle relevanten klinischen Informationen in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Bei Unsicherheiten ist eine fachärztliche Konsultation empfohlen.

    Version 1.0Letzte Aktualisierung: Dezember 2025. Grundlage: AWMF S2k-Leitlinie Venenthrombose 2023

    Zuletzt aktualisiert: Dezember 2025
    Quellen: Wells PS, et al. N Engl J Med. 2003;349(13):1227-1235
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